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wiedererwachte Liebe: Bulli & me (Teil 2)

19/06/2026

kleine Urlaubsgeschichten

Camping ist kommunikativer als ein Hotel oder eine Ferienwohnung zu buchen. Auch wenn es bei vielen Paaren mittlerweile so ist, dass sie sich anscheinend mit ihrem perfekt mit Gas-Grill, Satellitenschüssel und E-Bikes ausgestatteten Schneckenhaus auf Reisen begeben und möglichst niemanden in der Nähe ihres beräderten Hauses haben möchten. Sie scheinen unterwegs keinerlei Kontakt mit anderen Menschen haben zu wollen. Trotzdem gibt es noch solche, die beim Camping auch den Kontakt zu anderen Menschen schätzen. Gerade deswegen, weil man junge und alte trifft, viele Nationen vertreten sind, man sich über Reiserouten und besuchenswerte Locations austauscht und oft ganz nebenbei berührende und spannende Geschichten erfährt. Am nächsten Tag verabschiedet man sich wieder voneinander und jeder folgt seinem eigenen Weg weiter.

So habe ich z.B. die lieben Susanne & Wolfgang aus dem Schwabenländle auf dem zauberhaft direkt am Ostseestrand gelegenen Campingplatz in Mariehamn kennengelernt. Beide zusammen bringen sie fast 150 Jahre Leben mit und sind mit ihrem kleinen Wohnmobil oft 8 Wochen am Stück in Skandinavien unterwegs. Vermittelt hat diesen Kontakt mal wieder meine kleine Greta, die im Sturm das Herz von Hundefreunden erobert. So erfuhr ich, dass die beiden auch lange einen Dackel hatten. Nachdem dieser gestorben war, hat die Schwiegertochter einen Stoffhund für die beiden genäht, so das der Dackel weiter mitreisen kann. Aber dann erfuhr ich etwas, dass mir tatsächlich Pipi in die Augen trieb: die Dackelohren und die Rückentasche waren aus dem Stoff des letzten Hemdes ihres Sohnes gefertigt, der plötzlich mit 48 Jahren gestorben war… so reist auch er irgendwie immer mit den beiden ….

Aland-Schriftzug

Ein weiteres tolles Erlebnis auf dem Campingplatz in Mariehamn war die Begegnung mit einem sehr sympatischen Finnen. Er war mir sofort aufgefallen, da er nicht mit einem der üblichen weißen oder beigen Wohnmobile angereist war, sondern mit einem selbst umgebauten alten Landrover Defender. Dass Finnen Naturburschen sind, wusste ich ja schon seit meine beste Freundin und ihrem damals finnischen Lebensgefährten Rauno. Und so auch dieses Expemplar, der tatsächlich zum Waschen einfach in die kalte Ostsee stieg! Als wir später beide weintrinkend vor unseren Behausungen saßen, proste ich ihm von weitem zu, woraufhin er sich spontan seinen Campingstuhl und den Wein schnappte und zu mir herüber kam.  Wir unterhielten uns sofort angeregt auf englisch mit jeweils finnischem oder deutschem Akzent. Es war ein spannendes, interessantes, lustiges und langes Gespräch bis tief in die Nacht.  (Es fühlte sich plötzlich wieder an wie früher mit Ende zwanzig!) Ich erfuhr nicht nur, dass er als Katastrophenhelfer für die UN, UNO und andere Arbeitgeber weltweit unterwegs ist. Ich lernte auch meinen ersten finnischen Satz: Aja Hiljaa Sillala   (Fahre langsam über die Brücke) und weiß jetzt was rot väly bedeuted. Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns wieder und er schrieb mir den Satz auf diesen kleinen Zettel und schenkte mir dazu ein Gänseblümchen. Diesen Abend werde ich noch lange in Erinnerung behalten…

Finnisch
Gröna Gudden CP

Beeindruckt hat mich auch Anja, die ich in Laxvik bei strömendem Regen traf. Sie war mit ihrer 3 jährigen Tochter unterwegs in einem ausgebauten VW Bulli. Als wir später nach dem Regen wieder beide draußen saßen, erfuhr ich, dass sie nicht alleinerziehende Mutter war, für die ich sie erst gehalten hatte. Sie war allein mit der kleinsten ihrer 3 Kinder unterwegs, weil der Papa kurz vorher mit den beiden älteren Sprösslingen ebenfalls mit einem VW-Bus zum Paddeln unterwegs gewesen war. Eigentlich gehen sie mit der ganzen Familie immer Kanu-Wandern, aber Liv, die jüngste war dazu noch zu klein und es passte beruflich gerade so rein, dass sie mit der Kleinen nach Skandinavien aufbrach.  Sie betreibt mit ihrem Mann eine Eventagentur für Technikausrüstung in Berlin und statten hauptsächlich große Festivals aus. Es war unglaublich spannend zu sehen, wie entspannt und unkompliziert diese junge Frau völlig selbstverständlich, gutgelaunt und locker mit ihrer Tochter umging und sich nebenher mit mir unterhielt.

Laxvik CP
4 Genartionen LAxvik CP

Der Campingplatz Saxvik bot mir ebenfalls eine kleine Geschichte zum Erzählen: Dieser kleine Bauernhof beherbergte nämlich bereits seit 1909 und in der 4. Generation Campingreisende! Per Gunnarsson aus der 3. Generation war es der mich inbei meiner Ankunft dort begrüßte. Und obwohl er schwedisch und ich englisch sprach, verstanden wir uns zauf Anhieb sehr gut und ich wusste am ende unseres Rundgangs wo ich parken konnte und wie der Campingplatz funktionierte. Er war unglaublich herzlich und der Campingplatz ein kleines Juwel direkt hinter den Dünen am Kattegat-Strand. Später sprach ich noch mit Carina (aus der 4. Genneration) und erfuhr, dass sie das Haupthaus demnächst auch als ihr eigenes Wohnhaus nutzen wollen, aber alles muss nebenher gerichtet werden, da sie und ihr Mann noch im nahen Halmstadt arbeiten. Solche kleinen persönlichen Campingplätze finde ich ehrlichgesagt am reizvollsten und schönsten, zumal man eben genau hier auch persönlich mitseinen Gastgebern in Kontakt kommt.

So, dass. waren meine Mitbringsel-Erinnerungen an 3 wundervolle Wochen am Meer mit viel Erholung, Ruhe, schönen Begegnungen und einer immer wieder überwältigend schönen Natur.  Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig mitnehmen. 

Castleholm Aland Inseln
Schloß Castleholm
Aland-Inseln Leuchtturm
typische Einfahrt zu einem kleinen Schärenhafen
Villa Mariehamn
typisch Alandische Holzbauweise
Bootshäuser
Bootshäuser in kristallklarem Wasser
Orchideen
wilde Orchideen felderweise
Blumenwiese
überall Blütenteppiche
Segelschiff Pommern
Museumsschiff „Pommern“
Dünen
Greta in den schwedischen Dünen
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