Kennt ihr das: Ihr seht eine schön eingerichtete Wohnung und denkt, WOW, das sieht ja richtig gut aus. Oder ihr trefft einen Menschen der chic angezogen und gut gestylt ist und würdet manchmal selbst gern so perfekt aussehen? Aber euer Ergebnis ist letztlich völlig anders, weil ihr nicht einfach nachmacht, sondern nach euren Vorlieben und Prioritäten auswählt. Dabei kommt oft eine ganz eigene Mischung heraus, fernab von dem, was uns Werbung als erstrebenswert vorgaukelt. Dann habt ihr die Wahl mit diesem Ergebnis unzufrieden zu sein – weil es ja nicht dem entspricht, was ihr gerade bewundert habt – oder es ebenfalls gut zu finden, weil es eure Individualität widerspiegelt.
Ich wollte z.B. immer gern ein wenig anders sein als der Mainstream. Als Twen bin ich fast nur in Cowboystiefeln, Jeans und Lederjacke herumgelaufen. Kleider und Röcke: neeee. Ich bewundere auch heute gerne Ästhetik oder Perfektion, wenn sie mir begegnet. Ob es Wohnungen oder Häuser sind, die klar und edel oder auch landestypisch und gemütlich eingerichtet sind. Oder diese wunderschönen üppig blühenden Bauerngärten, für die ich schwärme. Und doch habe ich in meinem Leben gelernt, dass es okay ist, wenn ich NICHT so lebe oder so aussehe, wie ich es an anderen durchaus bewundere. Ich habe meinen eigenen Stil, aus dem ich mein Leben webe.
Meine Wohnungseinrichtung ist eine eigenwillige Mischung aus Altem und Modernem, selbstgemachten Fotos, vielen Büchern und Mitgebrachtem von Reisen. Viele Naturholzschränke, ein Ledersofa, einige geerbte Perserteppiche, 2 alte Rattan Sessel und ein altes orientalisch anmutendes Rauchtischchen. Als jüngste Errungenschaft kam ein runder Kirschholzesstisch mit 4 Stühlen von WASA hinzu. Letzteres Ensemble habe ich mit viel Hartnäckigkeit aus einem Nachlass für kleines Geld erworben. Eine bestimmte Stilrichtung bei mir? Fehlanzeige.
Abseits von gängigen Modetrends
Mit meinem großen Balkon verhält es sich ähnlich: Nicht saubergefegt, mit stylischen Loungemöbeln eingerichtet und bunten Vielblühern wie Sommerflieder oder Geranien dekoriert. Bei mir gibt es eine wuselige grüne Vielfalt aus Kräutern, 2 Tomaten, 2 Erdbeerpflanzen, einem Johannisbeerstrauch, Storchenschnabel und jeder Menge Vogelmiere sowie einem Birnbäumchen. Chemie gibt es hier nicht. Aber Ameisen und ein Insektenhotel sowie ein Vogelhäuschen. Ich versuche mich eher an ZEN-Geduld bei dem, was hier wächst als am Kauf von bunt blühenden Saisonpflanzen. Und auch bei den geliebten Bauerngärten ist es mir heute wichtiger, dass diese mit heimischen Arten die Artenvielfalt fördern. Blütenpracht ist auch mit kleinen und eher unscheinbaren Blüten schön, weil sie entsprechenden Insekten und Vögeln Nahrung liefern.
Und ich selbst? Auch hier folge ich nicht aktuellen Mode- oder Styling Trends. Meine Anforderungen richten sich zuerst an das Material: Wolle, Baumwolle, Seide, Hanf und ein wenig Viskose sind mir willkommen. Alle Poly-Dingens werden soweit möglich gemieden. Ich liebe maritime sowie englische und irische Anleihen bei Oberbekleidung. Ein Leben ohne Jeans im Alltag ist für mich unvorstellbar. Schminken mit Grundierung, ein bisschen Rouge, Wimperntusche und Lidschatten war für mich früher Routine. Heute als nicht mehr täglich im Beruf stehend nutze ich diese Hilfsmittel zur Verschönerung nur noch zu besonderen Gelegenheiten. Kurze Röcke, Highheels und sexy Unterwäsche sind heute nicht mehr mit meinem körperlichen Wohlbefinden unter einen Hut zu bringen. Gutes Material, bequem und haptisch angenehm sind die Leitplanken meiner eigenen Wohlfühloptik. Ob ich dabei unsichtbar für Männer werde, ist mir herzlich egal und die andere Hälfte der Bevölkerung muss keinen Neid empfinden, da ich nicht den Wunsch oder Anspruch habe, mir als „Best-Ager-Model“ etwas hinzu verdienen zu wollen.
Ich finde, es hat etwas ungemein Befreiendes, wenn ich mit dem Älterwerden immer einiger mit mir selbst werde. Mich nicht von Moden oder bestimmten Styles ablenken lasse, sondern mir denke: Eigensinnig und unperfekt leben zu können macht ganz schön glücklich!





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