Gesellschaftspolitische Relevanz von Nahrungsmitteln
Gerade zurzeit merken wir, dass Nahrungsmittel sehr viel teurer geworden sind. Ob das der Preis für ein Brot, ein Paket Butter oder der Restaurantbesuch ist. Als Gründe werden uns immer wieder der Ukrainekrieg, die Verteuerung des Öls durch den Konflikt mit dem Iran oder andere Gründe von außen genannt. Sicher haben diese Faktoren Einfluss auf die Preise. Aber sie sind nicht die alleinige Begründung für diese Preissteigerungen. Ähnlich wie bei den Kraftstoffanbietern gibt es im Nahrungsmittelsektor einige internationale Oligopole: Bei Saatgut und Pestizidanbietern, bei Landmaschinen aber auch im Handel. In Deutschland nutzen die 4 großen Handelsketten (Lidl, Aldi, Edeka und Rewe) die Preissteigerungen, um einfach noch einmal etwas obendrauf zu schlagen und die Gewinne zu vergrößern.
Im Konzern-Atlas 2026 der Heinrich Böll Stiftung sind diese Zusammenhänge gut aufgezeigt und erklärt. Auch gibt es dazu eine 3 teilige Podcast-Serie.

Überhaupt ist die gesamte Kette der industriellen Nahrungsmittelproduktion eine schädliche für uns alle: Puten werden so gezüchtet, dass sie ihr eigenes Gewicht nicht mehr tragen und nicht mehr laufen können. Schweine werden zu Hunderten auf so engem Raum gehalten, dass ihre Schwänze prophylaktisch abgeschnitten werden, weil sie sich diese sonst gegenseitig anfressen würden. Geflügel wird zu Tausenden so eingepfercht, dass es ohne Antibiotikaeinsatz als Prophylaxe gegen Infektionen gar nicht mehr geht. Pflanzen werden so gezüchtet, dass die Hybridversionen kein Saatgut mehr nachliefern und die Erzeuger es von den 5 großen Saatgut + Pestizidunternehmen immer wieder neu und teuer kaufen müssen. In Schachthöfen und auf Feldern mit Spargel werden Menschen aus Osteuropa zu unwürdigen Bedingungen beschäftigt. Und, und, und. Land und Wasserrechte werden an internationale Spekulanten verkauft, handwerkliche Erzeugung als unwirtschaftlich gebrandmarkt und letztlich können die Erzeuger der Nahrungsmittel von dem, was ihnen die Handelsriesen dafür bezahlen, nicht überleben. Und der Verbraucher bekommt am Ende meist ungesunde und hochverarbeitete Nahrungsmittel zu hohen Preisen als das vermeintlich Beste angeboten. Was in diesen hochverarbeiteten Lebensmitteln alles an Chemie verarbeitet wird, erklärt Christian Lege sehr anschaulich in seiner Serie „Besseresser“

Da ich keinerlei Lust verspüre diesen Wahnsinn auch noch zu unterstützen, bewege ich mich auf Pfaden abseits davon,indem ich in Hofläden oder bei Direktvermarktern einkaufe. Oder auch indem ich Slowfood Mitglied bin. Slowfood fördert nicht nur Produzenten im Sinne von „gut – sauber – fair“ u.a. durch den Erhalt alter Haustierrassen wie dem Bunten Bentheimer Schwein, dem Augsburger Huhn oder die Kartoffelsorte Bamberger Hörnla und viele andere mehr als sogenannte „Arche Passagiere“.
Slowfood unterstützt auch die Vernetzung zwischen Produzenten und Konsumenten. In der Genussführer-App werden Restaurants gelistet, die mit lokalen Produzenten aus der Umgegend zusammenarbeiten und deren Erzeugnisse möglichst saisonal in ihren Speisen verarbeiten. Das ganze frisch und ohne Geschmacksverstärker. Wenn diese Zusammenarbeit transparent gemacht wird auf der Speisekarte oder der Webseite, kann ich als Gast mich ganz gezielt umschauen, ein solches Restaurant zu finden. Dort kann ich dann sicher sein, dass die Kriterien, auf die ich auch daheim achte, wie Tierwohl, handwerklich gut hergestellte Erzeugnisse oder Artenvielfalt ebenfalls in der Speisekarte Berücksichtigung finden.
Außerdem listen wir in den meisten regionalen Slowfoodbezirken wie bei uns in der Region Lüneburg-Heide-Wendland in einer Karte auch Produzenten von Nahrungsmitteln die nach dem Prinzip „gut-sauber-fair“ arbeiten auf: den Rinderzüchter oder die Biogärtnerei, den Hofladen eines Milcherzeugers oder einen ökologisch wirtschaftenden Fischbetrieb. Wir „Slowfoodies“ versuchen all das zusammenzutragen und dadurch zu unterstützen. Kurze Transportwege, samenfeste Sorten, handwerkliches Können, Artenvielfalt alter Rassen und Sorten, Wertschätzung der Erzeuger und ein verändertes Ernährungsbewusstsein in der Bevölkerung sind unser Anliegen. Daraus resultiert auch mehr Genuss beim Essen.



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