Für mich hat vor 9 Monaten das Leben mit größtmöglicher Freiheit begonnen. Jetzt bekomme ich jeden Monat mein Salär überwiesen, ohne dafür etwas tun zu müssen – außer zu LEBEN. Sozusagen ein bedingungsloses Grundeinkommen auf Lebenszeit. Womit ich jetzt meine Zeit gestalte, bestimmt nicht mehr ein Unternehmen oder Kunden, sondern ausschließlich ich selbst! Das ist ein wirklich tolles Gefühl! Kein Wecker, der morgens klingelt, bevor Du ausgeschlafen hast. In Ruhe aufstehen, genüsslich den ersten Kaffee trinken und schauen, was in der Welt so los ist…
ich liebe mein Alter (okay, nicht jeden Tag)
Keinen komplett durchgetakteten Tag zu haben fühlt sich zuerst ein wenig ungewohnt. an, aber ich habe schnell gelernt, welche neue Lebensqualität es beinhaltet: alles in Ruhe machen zu können. Selbst entscheiden zu können, wie viel man macht und nicht das Gefühl zu haben, mehr Arbeit zu haben als man tatsächlich – meist unter Termindruck – schaffen kann! Da ich meistens im Außendienst angesiedelt war und vom Homeoffice aus gearbeitet habe fehlt mir auch der Kollegenkontakt nicht allzu sehr, da ich diesen meist eh nur sporadisch auf Kongressen oder Meetings hatte.


Ohne auch nur den Hauch von einem schlechten Gewissen kann ich nachmittags auf dem Balkon sitzen und ein Buch zu lesen. Abends kann ich um 21:00 ins Bett gehen, weil ich müde bin oder auch bis spät in die Nacht z.B. zur Fußball WM Spiele anschauen, ohne am nächsten Tag mich müde aus dem Bett zu quälen. Besonders cool ist auch, dass Reisen nicht mehr in irgendwelche begrenzt zur Verfügung stehenden Urlaubstage hingedengelt werden müssen. Du kann mehrfach hintereinander losziehen oder du kannst ein paar Tage länger bleiben, wenn’s sich grad besonders gut sich anfühlt. Neue Lebensqualitäten.
Ich war – wie bereits in früheren Blogbeiträgen berichtet – im Mai/Juni 3 Wochen mit einem geliehenen VW Bulli California auf den Aland-Inseln und in Schweden unterwegs. Das hat mir so gut gefallen, dass daraus mein neuestes „Projekt“ entstanden ist: Ich habe meinen Alfa wieder verkauft und werde in Zukunft mit einem VW T6 Camper dauerhaft zum Losfahren für kurze oder längere Zeit gerüstet sein. Ganz wie ich gerade mag. Auch muss ich mir keine Gedanken machen, ob Greta in der Hundepension Platz findet oder ein Hotel Hundegeeignet ist. Und da allein der Gedanke daran schon viele neue Ideen sprießen lässt und auch über entsprechende FB-Gruppen von allein reisenden Frauen und anderen Campern immer wieder interessante Anregungen entstehen, wird mir sicher auch das nächste Jahr nicht langweilig werden. Ich weiß eh gar nicht wie Laangeweyhle geschrieben wird!
Ruhestand ist oft der Bedeutungsverlust für die Gesellschaft
Die größte Herausforderung in dieser Zeit stellt für mich tatsächlich der Umgang in Ehrenämtern dar. Das ist für mich ganz neu und ich muss tatsächlich erst lernen, dass hier nicht immer nur zählt, sich für eine Sache einzubringen. Die Motivationen der einzelnen Beteiligten sind längst nicht immer so altruistischer Natur wie ich es – fälschlicherweise? – wohl erwartet hätte. Aber ich finde es spannend und bin lernfähig. Außerdem beschäftigt mich die Frage, wie die oft aus früheren Zeiten stammenden Organisationsformen von z.B. Schützen- oder Sportvereinen der heutigen Zeit angemessen umbauen müsste. Ein „weiter so“ bedeutet, dass vielen Einrichtungen die Mitglieder für dieses Engagement am Gemeinwesen ausgehen werden.
Jetzt steht für mich erst einmal noch eine 3-tägige Kongressreise nach Wien auf dem Plan. Sozusagen berufliche Ausläufer, die ich weiter betreue. Und Anfang November kann ich dann endlich wieder eine Woche das Bordleben auf der „Cape Race“ geniessen und den Winter für mich im hohen Norden von Norwegen einläuten. Hach, was freue ich mich, wieder auf die Weite des Meeres schauen zu können, lecker bekocht zu werden und ein paar neue Menschen als Mitreisende kennenzulernen! Hoffentlich spielen auch die Wale mit und lassen sich zahlreich blicken….
Leider Ist die Bogenschießsaison draußen jetzt schon wieder so gut wie zu Ende und in der Halle macht es nicht so viel Spaß wie draußen im Grünen. Trotzdem bin ich mit meinen Fortschritten ganz zufrieden. Ansonsten stehen jetzt schon wieder die ersten Vorbereitungen für unseren Hanstedter Weihnachtsmarkt auf dem Programm.
Weihnachten ist auch schon „eingetütet“, da kommt meine Freundin aus dem Breisgau zu mir und wir beiden ollen Mädels machen es uns hier bei mir so richtig nett: Gutes Essen zubereiten, den Wein dazu vom Zähringen genießen und mit Greta auf Spaziergängen durch die Heide uns dann entsprechend wieder auslüften. Und vielleicht auch für nächstes Jahr erste Überlegungen zu einer gemeinsamen Reise in die Normandie und die Bretagne anstellen… mal schauen.
Ihr seht, ich finde diese neue Zeit ganz großartig. Das Einzige was mich manchmal etwas irritiert ist, welcher Bedeutungsverlust an sozialem Status damit verbunden ist, wenn Dich jemand fragt, was Du beruflich machst. Lautet darauf die Antwort „ich bin Jurist oder Kaufmann oder Krankenpfleger“ dann stellst Du etwas dar in der Gesellschaft. Musst Du antworten, dass Du Rentner bist, bekommt das sofort den gesellschaftlichen Anstrich von „ach Du bist auch einer von denen die so viel Geld kosten und nichts mehr leisten“. Rentner zu sein hat in der Gesellschaft einfach keinen guten Ruf. Zum Glück war mein Motto schon immer der Spruch „Ist der Ruf erst einmal ruiniert, lebt sich’s völlig ungeniert“. In diesem Sinne, freut euch auf den Teil Eures Lebens, der einfach mit der größtmöglichen Freiheit einher geht!


gutes Essen, sehr gern mit regionalen Zutaten: Hier mit einem würzigen Ziegenparmesan aus dem Wendland. – Oder ein österreichischer Kaiserschmarrn mit Rotweinzwetschgen aus Niedersachsen


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